Angsterkrankungen

Überschrift 4
In der Psychologie wird zwischen Signalangst und pathologischer (krankhafter) Angst unterschieden.
Signalangst ist gegenwartsbezogen und erfüllt eine adaptive Warn- und Schutzfunktion. Sie weist auf eine reale oder aktuell relevante Herausforderung hin und mobilisiert psychische und körperliche Ressourcen zur Problemlösung. Beispielsweise kann Schlaflosigkeit infolge eines ungelösten aktuellen Problems Ausdruck einer solchen funktionalen Signalangst sein. Obwohl subjektiv belastend, ist diese Form der Angst angemessen und soll Sie zu einer Handlung anregen.
Von pathologischer Angst spricht man, wenn Angstreaktionen nicht mehr primär durch die gegenwärtige Situation erklärbar sind, sondern durch frühere Erfahrungen, dysfunktionale Bewertungen, Überinterpretationen oder traumatische Erinnerungen ausgelöst und überschießend stark wirken, blockieren und sich auch physisch zeigen, zB durch Schwindel, Herzrasen, Zähneknirschen, Verspannungen, Rückenschmerzen, Druck auf der Brust, Nervosität etc. In diesen Fällen verliert die Angst ihre adaptive Funktion und führt zu einer anhaltenden Beeinträchtigung des alltäglichen Erlebens und Verhaltens. Sie wirkt einschränkend wie ein inneres Gefängnis, das mit der Zeit zur scheinbaren Normalität werden kann.
Das Gefühl von Sicherheit gerät bei vielen Menschen bereits früh ins Wanken. Noch immer wird Angst häufig als Disziplinierungsinstrument eingesetzt – sowohl im Elternhaus als auch im Bildungssystem. Verstärkend wirken ängstliche oder sehr strenge Bezugspersonen, belastende oder traumatische Erfahrungen und die fehlende Möglichkeit, in der Kindheit aktiv Veränderungen herbeizuführen.
"Diese langjährige Erfahrung, keinen Ausweg zu haben, erzeugt hohen inneren Druck und kann zu einer Überaktivität der Amygdala führen. Sie ist einer der wesentlichen Faktoren bei der Entstehung von Angsterkrankungen und gleichzeitig einer der ersten Ansatzpunkte in der Hypnosepsychotherapie.
Gemeinsam arbeiten wir daran, Ihrer Amygdala – die kein Zeitgefühl hat und noch die Wahrnehmungen aus der Vergangenheit trägt – zu vermitteln, dass Sie nun erwachsen sind. Sie lernen, dass Sie Auswege haben und diese aktiv gestalten können. Dadurch entsteht ein neuer, sicherer Umgang mit Angst, der es Ihnen ermöglicht, frei und selbstbestimmt zu handeln."
Trotz ihrer unterschiedlichen Erscheinungsformen haben Angsterkrankungen wesentliche Gemeinsamkeiten:
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Die Gedanken sind stark in die Zukunft gerichtet, meist in Form von „Was wäre, wenn …“-Szenarien.
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Ängste verschwinden nicht von selbst wie eine Erkältung. Im Gegenteil: Sie haben die unangenehme Angewohnheit, sich spiralförmig in alle Lebensbereiche auszudehnen. Das ständige Dagegenhalten erfordert enorme Energie und kann langfristig zu weiteren Erkrankungen wie Burnout oder Zwangsstörungen führen.
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Sie belasten Beziehungen und Arbeitsverhältnisse oft erheblich.
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Angst bindet einen großen Teil der Gehirnprozesse. Die Auswirkungen zeigen sich individuell, etwa in verminderter Empathie, erhöhter Reizbarkeit oder Aggressivität, Prokrastination, Vergesslichkeit, dem Delegieren von Verantwortung an Partner oder einer allgemeinen Überforderung im Alltag.
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Ein weiterer zentraler Aspekt von Angst ist, dass sie sich häufig verschiebt: Kann die eigentliche Angst nicht vermieden oder bewältigt werden, sucht sie sich ein anderes Objekt. So entwickeln Menschen, die starke Angst vor ihrer Arbeitssituation haben, mitunter plötzlich eine Angst vor Brücken, öffentlichen Verkehrsmitteln oder bestimmten Orten.
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Angst ist damit nicht nur ein Gefühl, sondern ein Zustand, der Denken, Verhalten und Beziehungen tiefgreifend beeinflussen kann.
Panikattacken
Panikattacken lassen häufig auf eine Überlastung des Nervensystems schließen. Das System sucht nach Entladung, während der Verstand versucht, die Symptome einzuordnen und oft keine logische Erklärung findet. Panikattacken treten nicht selten unerwartet und gerade in Ruhephasen auf, was sie besonders irritierend macht.
Die körperlichen Symptome können sehr intensiv sein: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Engegefühl in der Brust oder ein Gefühl des Kontrollverlustes. Viele Betroffene beschreiben die Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden oder schwer krank zu sein. Diese Erfahrung ist äußerst beängstigend und verstärkt die innere Alarmbereitschaft zusätzlich.
Aus psychologischer Sicht sind Panikattacken häufig ein Signal dafür, dass unverarbeitete innere Spannungen, Stress, Überforderung, Sorgen,r alte Erfahrungen im Nervensystem gespeichert sind, die integriert werden müssen.
Aus seelischer Sicht ist sehr oft ein inneres Erleben des Alleinseins, des auf sich selbst gestellt seins oder
Generalisierte Angststörung, Ängste im Alltag und im Beruf
Im beruflichen oder privaten Alltag zeigen sich Ängste oft subtiler. Dahinter liegen nicht selten tiefergehende Themen wie (re-)traumatisierende Erfahrungen, emotionale Überforderung oder die oft nicht bewusste Lebensannahme „keinen Ausweg zu haben“. Jeder Ausweg scheint bedrohlich und die Gedanken sind in erster Linie sorgenvoll und weit in der Zukunft.
Dieser innere Zustand erzeugt eine dauerhaft erhöhte Aktivierung des Nervensystems. Der Körper bleibt im Alarmmodus, auch wenn objektiv keine akute Gefahr besteht. Gedanken kreisen, Erschöpfung nimmt zu, und die Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen geht zunehmend verloren.
Phobien
Phobien sind spezifische Angstreaktionen, die sich auf bestimmte Situationen, Orte oder Objekte richten. Auch hier reagiert das Nervensystem mit einer starken Schutzreaktion, die häufig auf frühere Erfahrungen oder unbewusste Verknüpfungen zurückzuführen ist. Die Angst wirkt dabei oft unverhältnismäßig stark, ist jedoch für die betroffene Person sehr real.
Der Weg der Veränderung
Die zentrale Aufgabe in der Arbeit mit Angst, Panikattacken und Phobien ist nicht das „Wegmachen“ der Symptome, sondern das behutsame Verstehen und Integrieren dessen, was sich zeigen möchte. Es ist mein Anspruch, nachhaltig zu wirken
Dazu gehört:
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das schrittweise Regulieren des Nervensystems
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die Integration belastender oder traumatischer Erfahrungen
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die langsame Veränderung tief verankerter Glaubenssätze wie „Ich habe keinen Ausweg“ oder „Ich bin nicht sicher“
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von der Ohnmacht in die Macht: die eigene Macht im sozialen Umfeld erkennen und Angst vor Verlassenwerden, Entlassung etc. abbauen.
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das Wahrnehmen von Affekten und deren Wandlung in bewusste Gefühle
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das Wiedererlernen von Selbstwahrnehmung und Selbstregulation
Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses ist es, die eigene Intuition – das innere Steuerrad – wieder wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Sie gibt wertvolle Hinweise darauf, was gerade gebraucht wird und welche Schritte stimmig sind.
Heilung und Veränderung geschehen nicht unter Druck, sondern in einem geschützten Rahmen, in dem Sicherheit, Vertrauen und Selbstmitgefühl wachsen dürfen. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, sein eigenes Tempo und seine eigenen Ressourcen mit.
Angst kann so vom bedrohlichen Gegner zu einem verständlichen Signal werden.


